Christus lehrt im Tempel. Ikone von Phillip Schwartz

Orthodoxer Katechismus

1. Wozu sind wir auf Erden?

Wir sind auf Erden, um Gott zu lieben und ihm zu dienen.

2. Was müssen wir tun, um Gott zu lieben?

Um Gott zu lieben, müssen wir

  1. alles glauben, was Gott geoffenbart hat;

  2. alle Gebote halten, die Gott gegeben hat.

3. Was heißt an Gott glauben?

An Gott glauben heißt alles fest und unbezweifelt für wahr halten, was Gott, der ewige Überwesentliche, geoffenbart hat.

4. Wie hat sich Gott uns Menschen zu erkennen gegeben?

Gott hat sich uns Menschen auf zweifache Weise zu erkennen gegeben, auf natürliche und auf übernatürliche Weise.

5. Wodurch hat sich Gott auf natürliche Weise zu erkennen gegeben?

Gott hat sich auf natürliche Weise zu erkennen gegeben:

  1. durch die sichtbare Welt, die sich nicht selbst gemacht haben kann;

  2. durch die Zweckmäßigkeit und Ordnung in der Welt, die von einem höchst weisen Urheber herstammen muß;

  3. durch die Stimme des Gewissens, die uns zum Guten mahnt und vor einem unsichtbaren Rächer des Bösen warnt.

6. Wodurch hat sich Gott auf übernatürliche Weise zu erkennen gegeben?

Gott hat sich durch die Offenbarung auf übernatürliche Weise zu erkennen gegeben.

7. In welcher Weise ist die göttliche Offenbarung auf uns gekommen?

Die göttliche Offenbarung ist teils schriftlich, teils mündlich auf uns gekommen: schriftlich durch die Heilige Schrift oder Bibel, mündlich durch die Tradition. Bibel und Tradition sind Quellen des Glaubens.

8. Was ist die Heilige Schrift?

Die Heilige Schrift ist die Sammlung jener Bücher, die unter Eingebung des Heiligen Geistes geschrieben und als Gottes Wort von der Kirche anerkannt sind.

9. Aus welchen Büchern besteht das Alte Testament?

Das Alte Testament besteht:

  1. aus 17 Geschichtsbüchern, welche die Erschaffung der Welt, die Geschichte der Patriarchen und des jüdischen Volkes erzählen;

  2. aus 5 Lehrbüchern (didaktischen Schriften), die Sammlungen von Psalmen, weisen Sprüchen und Lebensregeln sind;

  3. aus 17 prophetischen Büchern, die großenteils Weissagungen enthalten.

Die 17 Geschichtsbücher sind: 5 Bücher des Moses, das Buch Josue, das Buch der Richter, Ruth, 4 Bücher der Könige, 2 der Chronik, Esdras, Nehemias, Esther.

Die 5 Lehrbücher: Hiob, die Psalmen, die Sprüche, der Prediger oder Ecclesiastes, das Hohe Lied.

Die 17 prophetischen Bücher: Isaias, Jeremias, Baruch, Ezechiel, Daniel, Osee, Joel, Amos, Abdias, Jonas, Michäas, Nahum, Habakuk, Sophonias, Aggäus, Zacharias und Malachias.

Die Bücher: Tobias, Judith, Weisheit, Jesus Sirach, 3 Bücher der Makkabäer gelten als deuterokanonisch, deren Lektüre (nach dem hl. Athanasios) nützlich ist.

10. Aus welchen Büchern besteht das Neue Testament?

 Das Neue Testament besteht:

  1. aus den 4 Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, welche die Geschichte Jesu erzählen;

  2. aus der Apostelgeschichte des hl. Lukas;

  3. aus 14 Briefen vom hl. Paulus und 7 von andern Aposteln, die Glaubens- und Sittenlehren enthalten;

  4. aus der Apokalypse oder geheimen Offenbarung des hl. Johannes, welche die Kämpfe und Siege der Kirche vorhersagt.

Die Briefe des hl. Paulus sind: 1 an die Römer, 2 an die Korinther, 1 an die Galater, 1 an die Epheser, 1 an die Philipper, 1 an die Kolosser, 2 an die Thessalonicher, 2 an Timotheus, 1 an Titus, 1 an Philemon, 1 an die Hebräer.

Die anderen Briefe sind: 1 des hl. Jakobus, 2 des hl. Petrus, 3 des hl. Johannes, 1 des hl. Judas Thaddäus.

11. Was ist die Tradition?

Die Tradition ist die mündliche Überlieferung der Kirche. Im Laufe der Zeit ist die Tradition aber auch schriftlich fixiert worden.

12. Wodurch hat sich die Überlieferung fortgepflanzt?

Die Überlieferung hat sich fortgepflanzt sowohl durch den mündlichen Unterricht als durch die Satzungen und Gebräuche der Kirche und die Schriften der Heiligen Väter.

Zeugnisse der kirchlichen Tradition sind:

  1. Die Schriften der apostolischen Väter und der Kir­chenlehrer

  2. Die dogmatischen Definitionen der sieben ökumenischen Konzilien

  3. Die orthodoxen Glaubenssymbole:

                            a) das nizäno-konstantinopolitanische Symbolum

                            b) das athanasianische Symbolum

                            c) die beiden Symbola der Bischofsweihe

   4. Die liturgischen Bücher der orthodoxen Kirche

13. Wem hat Christus die Offenbarung zur unverfälschten Bewahrung und Auslegung übergeben?

Christus hat die ganze Offenbarung zur unverfälschten Bewahrung und Auslegung der Kirche übergeben.

14. Ist der Glaube zur Seligkeit notwendig?

Der Glaube ist zur Seligkeit unumgänglich notwendig; denn „ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen.“ (Hebr. 11, 6.)

15. Steht es dem Menschen frei, bloß das eine oder andere von der Lehre Christi und seiner Kirche anzunehmen?

Es steht den Menschen nicht frei, nur das eine oder andere von der Lehre Christi und seiner Kirche anzunehmen; denn

Christus sagt ohne Ausnahme: „Lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe“ (Matth. 28, 20); der hl. Johannes sagt: „Jeder, der nicht in der Lehre Christi bleibt, der hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat den Vater und auch den Sohn“ (2. Joh. l, 9).

Wer von der Lehre Christi und seiner Kirche nur glaubt, was ihm gut dünkt, der hat soviel wie keinen Glauben; denn er glaubt nicht Gott, sondern seiner eigenen beschränkten Einsicht.

16. Wo sind die wichtigsten Glaubenswahrheiten kurz zusammengefaßt?

Die wichtigsten Glaubenswahrheiten sind kurz zusammengefaßt im nizänisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis.

17. Wer ist Gott?

Gott ist der unendlich vollkommene Geist, der aus sich selbst von Ewigkeit ist und Himmel und Erde erschaffen hat.

18. Warum nennen wir Gott einen Geist?

Wir nennen Gott einen Geist, weil er Verstand und freien Willen, aber keinen materiellen Leib hat.

19. Warum nennen wir Gott den unendlich vollkommenen Geist?

Wir nennen Gott den unendlich vollkommenen Geist, weil er alle guten Eigenschaften ohne Maß und Zahl in sich vereinigt.

20. Welches sind die göttlichen Eigenschaften?

Die göttlichen Eigenschaften sind: Ewigkeit, Unveränderlichkeit, Allgegenwart, Unermesslichkeit, Allwissenheit, Weisheit, Allmacht und Freiheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit, Güte, Wahrheit und Treue.

21. Wie viele Personen sind in Gott?

In Gott sind drei Personen: Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

22. Ist jede dieser drei Personen wahrer Gott?

Jede der drei Personen ist Gott: der Vater ist wahrer Gott, der Sohn ist wahrer Gott und der Heilige Geist ist wahrer Gott. Doch sind alle drei Personen nur ein Gott.

23. Warum sind die drei Personen nur ein Gott?

Die drei Personen sind nur ein Gott, weil alle drei Personen die eine und einzige göttliche Natur und Wesenheit haben.

24. Warum nennen wir Gott den Schöpfer des Himmels und der Erde?

Wir nennen Gott den Schöpfer des Himmels und der Erde, weil er die ganze Welt, Himmel und Erde, aus nichts erschaffen hat.

25. Was wirkt Gott nach der Erschaffung der Welt?

Gott erhält und regiert die Welt.

26. Welche Reiche umfaßt die geschaffene Welt?

Die geschaffene Welt umfaßt drei Reiche:

  1. die Geister, die wir Engel nennen;

  2. die Körperwelt;

  3. den Menschen, der Geist und Körper in sich vereinigt.

27. Was sind die Engel?

Die Engel sind Geister, die höhere Erkenntnis und Willenskraft als die Menschen, aber keinen Leib haben.

Man unterscheidet nach der Heiligen Schrift neun Chöre der Engel: Engel, Erzengel, Kräfte, — Mächte, Herrschaften, Oberherrschaften, — Throne, Cherubim, Seraphim.

28. Welches ist das vorzüglichste Geschöpf Gottes auf Erden?

Das vorzüglichste Geschöpf Gottes auf Erden ist der Mensch.

29. Wodurch hat Gott den Menschen vor allen anderen irdischen Geschöpfen ausgezeichnet?

Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbilde erschaffen, d. h. ihm natürliche und übernatürliche Ga­ben verliehen, die ihn Gott ähnlich machten. (Gen. l, 26 f.)

30. Wer ist der von Gott verheißene und gesandte Erlöser?

Der von Gott verheißene und gesandte Erlöser ist der eingeborene Sohn Gottes, Jesus Christus, unser Herr.

31. Woher wissen wir, daß Jesus Christus der Sohn Gottes und wahrer Gott ist?

Daß Jesus Christus der Sohn Gottes und wahrer Gott ist, wissen wir

  1. aus dem Zeugnis der Propheten;

  2. aus dem Zeugnis des himmlischen Vaters;

  3. aus seinem eigenen Zeugnis;

  4. aus dem Zeugnis der Apostel.

32. Ist Jesus Christus bloß wahrer Gott?

Jesus Christus ist nicht bloß wahrer Gott, sondern auch wahrer Mensch. Gott ist er von Ewigkeit und Mensch ist er geworden in der Zeit.

33. Wie ist Jesus Christus Mensch geworden?

Jesus Christus ist durch Wirkung des Heiligen Geistes aus Maria, der Jungfrau, Mensch geworden.

34. Wie viele Naturen sind in Jesus Christus?

In Jesus Christus sind zwei Naturen: die göttliche, weil er Gott ist, und die menschliche, weil er Mensch ist.

35. Sind in Jesus Christus auch zwei Personen?

Nein. Jesus Christus ist nur eine, und zwar göttliche Person, weil die beiden vollkommenen Naturen in der göttlichen Person unzertrennlich und unvermischt vereinigt sind.

36. Warum ist der Sohn Gottes Mensch geworden?

Der Sohn Gottes ist Mensch geworden:

  1. um uns zu erlösen

  2. um uns durch seine Lehre und sein Beispiel den Weg zum Himmel zu zeigen.

37. Von wem hat der Sohn Gottes die menschliche Natur angenommen?

Der Sohn Gottes hat die menschliche Natur von Maria der Immerjungfrau, angenommen; darum heißt sie auch „Mutter Gottes“ oder „Gottesgebärerin“.

38. Ist Jesus wahrhaft gestorben?

Ja. Die Seele Jesu wurde von seinem Leibe wirklich geschieden. Die göttliche Person aber ist immer unzertrennlich mit dem Leibe und mit der Seele vereinigt geblieben.

39. Wohin ging die Seele Christi nach seinem Tode?

Die Seele Christi stieg unmittelbar nach seinem Tode in die Unterwelt hinab, d. h. in jenen Ort, wo die Seelen der verstorbenen Gerechten waren und die Zeit ihrer Erlösung erwarteten.

40. Was geschah am dritten Tage nach dem Tode Jesu?

Am Morgen des dritten Tages nach seinem Tode vereinigte Jesus seine Seele wieder mit seinem Leib und stand durch eigene Kraft aus dem verschlossenen Grabe glorreich auf.

41. Woher wissen wir, daß Christus wirklich auferstanden ist?

Das Christus wirklich auferstanden ist, wissen wir aus dem Zeugnis seiner Apostel und Jünger:

  1. die Apostel und Jünger haben ihn nach seiner Auferstehung öfters gesehen, mit ihm gesprochen und mit ihm gegessen.

  2. Sie haben die Auferstehung Christi überall siegreich verkündigt, dieses Zeugnis durch Wunder bekräftigt und mit ihrem Tode besiegelt.

42. Was tat Christus am 40. Tage nach seiner Auferstehung?

Am 40. Tage nach seiner Auferstehung ist Jesus Christus durch eigene Kraft mit Leib und Seele in den Himmel aufgefahren.

43. Wann wird Christus wiederkommen?

Christus wird am Ende der Welt mit großer Macht und Herrlichkeit wiederkommen, um alle Menschen zu richten.

44. Wann wird der Tag des Weltgerichtes kommen?

Der Tag des Weltgerichtes ist uns unbekannt. „Jenen Tag weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, sondern nur der Vater.“ (Matth. 24, 36.)

45. Wer ist der Heilige Geist?

Der Heilige Geist ist die dritte Person in der Gottheit, wahrer Gott mit dem Vater und dem Sohne.

46. Wann ist der Heilige Geist der Kirche gesandt worden?

Der Heilige Geist ist der Kirche am Pfingstfest in sichtbarer Weise gesandt worden, als er in Gestalt feuriger Zungen auf die Apostel herabkam.

47. Was wirkt der Heilige Geist in der Kirche?

Der Heilige Geist lehrt, heiligt und leitet die Kirche in unsichtbarer Weise bis ans Ende der Welt.

48. Was ist die Kirche?

Unsichtbar ist die Kirche der mystische Leib Christi, deren Haupt Christus selbst ist, sichtbar ist die Kirche die Gemeinschaft aller rechtgläubigen Christen auf Erden mit ihrer hierarchischen und kanonischen Ordnung.

49. Wie hat Christus die Kirche gegründet?

Christus hat die Kirche gegründet, indem er aus seinen Jüngern die zwölf Apostel auswählte, ihnen seine Gewalt und Sendung übertrug und am Pfingstfest den Hei­ligen Geist sandte.

50. Wer sind die Nachfolger der Apostel?

Die Nachfolger der Apostel sind die rechtgläubigen Bischöfe, die rechtmäßig geweiht sind und in ununterbrochener Reihenfolge ihre Weihen auf die Apostel zu­rückführen können.

51. In welcher Weise regieren die Bischöfe die Kirche?

  1. Jeder Bischof verwaltet sein Bistum;

  2. die Bischöfe einer Provinz, eines Landes oder der ganzen Welt versammeln sich, um gemeinsam zu beraten und Anordnungen zu treffen. Die Versammlungen der Bischöfe heißen Konzilien oder Synoden.

Die 7 ökumenischen Konzilien sind:

  1. Nizäa I. 325

  2. Konstantinopel I. 381

  3. Ephesus 431

  4. Chalkedon 451

  5. Konstantinopel II. 553

  6. Konstantinopel III. 680/81

  7. Nizäa II. 787

52. Wer sind die Mitarbeiter der Bischöfe in der Seelsorge?

Die Mitarbeiter der Bischöfe in der Seelsorge sind die Priester und Diakone, die rechtmäßig geweiht und von ihrem Bischof zur Seelsorge bevollmächtigt sind.

53. Was sind die Aufgaben der sichtbaren Kirche Christi?

Die Aufgabe der sichtbaren Kirche Christi ist die Führung aller Menschen zum ewigen Heile.

54. Welche Kennzeichen hat die von Christus gestiftete Kirche?

Die von Christus gestiftete Kirche hat vier Kennzeichen. Sie muß sein:

  1. einig, weil Christus nur einen Glauben gelehrt hat;

  2. heilig, weil Christus die Kirche zur Heiligung der Menschheit gestiftet hat;

  3. katholisch oder allgemein, weil Christus die Kirche für alle Zeiten und Völker gestiftet hat;

  4. apostolisch, weil Christus seine Kirche auf die Apostel gegründet hat.

Die vier Kennzeichen der Kirche Christi werden im nizänischen Glaubensbekenntnis genannt: „Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“

55. Was geschieht beim Tode des Menschen?

Beim Tode des Menschen trennt sich die Seele vom Leibe; der Leib fällt der Auflösung anheim und kehrt zur Erde zurück.

56. Was geschieht mit der Seele nach dem Tode?

Jede Seele wird nach dem Tode gerichtet über alle Gedanken, Worte und Werke und über die Unterlassung des Guten.

57. Wohin kommt die Seele nach dem ersten Gericht?

Die Seele kommt nach dem ersten Gericht in einen Zwischenzustand, der entweder einen Vorgeschmack des Himmels oder der Hölle gibt. Der Zustand ist veränder­lich, und erst nach dem Endgerichte kommen die Seelen in den Himmel oder in die Hölle.

58. Was ist die Hölle?

Die Hölle ist der „Ort der Qual“ (Luk. 16, 28), wo die Verdammten ewig Qualen erleiden sowie ewig von der Anschauung Gottes ausgeschlossen sind.

59. Worin besteht die ewige Seligkeit?

Die ewige Seligkeit besteht in der Anschauung Gottes, d. h. in der innigsten Vereinigung mit Gott in ewiger Freude und Herrlichkeit.

60. Was ist ein Mysterium oder Sakrament?

Ein Mysterium oder Sakrament ist ein sichtbares, von Jesus Christus eingesetztes Zeichen, wodurch uns unsichtbare Gnade Gottes mitgeteilt wird.

61. Wieviele Mysterien oder Sakramente gibt es?

Christus hat sieben Sakramente eingesetzt:

  1. die Taufe,

  2. die Myronsalbung,

  3. die Eucharistie,

  4. die Buße,

  5. die Priesterweihe,

  6. die Ehe,

  7. die Krankensalbung.

62. Was ist die Taufe?

Die Taufe ist jenes Mysterium, in dem der Mensch durch das Wasser und das Wort Gottes von jeder Sünde gereinigt und in Christus wiedergeboren und geheiligt wird.

63. Worin besteht das äußere Zeichen der Taufe?

Der Taufende taucht den Täufling dreimal unter Wasser und spricht zugleich die Worte: „Getauft wird der Diener Gottes N. N. im Namen des Vaters, Amen, des Sohnes, Amen, und des Heiligen Geistes, Amen.“

64. Kann die Wassertaufe niemals ersetzt werden?

Wenn die Wassertaufe unmöglich ist, kann sie ersetzt werden durch die Bluttaufe. Die Bluttaufe ist der Martertod um Christi willen.

65. Was ist die Myronsalbung oder Firmung?

Die Myronsalbung ist jenes Mysterium, in dem der Getaufte durch Handauflegung, Salbung und Gebet des Priesters vom Heiligen Geiste gestärkt wird, damit er seinen Glauben standhaft bekenne und ihm getreu nachlebe und gegen die Nachstellungen des Satans mit Erfolg kämpfe.

66. Worin besteht das äußere Zeichen der Firmung?

Der Priester legt nach der Taufe dem Firmling die Hand auf, salbt ihn an Stirne, Augen, Nase, Ohren, Mund, Brust, Händen und Füßen mit dem hl. Myron und spricht dabei jedes Mal die Worte: „Siegel der Gabe des Heiligen Geistes, Amen.“

67. Was ist das Mysterium der Eucharistie?

Das Mysterium der Eucharistie ist der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi unter den Gestalten von Brot und Wein.

68. Wann hat Christus das Sakrament der Eucharistie eingesetzt?

Christus hat das Sakrament der Eucharistie beim letzten Abendmahl am Vorabend seines Leidens eingesetzt.

69. Wem gab Christus den Auftrag und die Vollmacht, Brot und Wein in sein Fleisch und Blut zu verwandeln?

Mit den Worten: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ gab Christus seinen Aposteln den Auftrag und die Vollmacht, das nämliche zu tun, was er getan, nämlich Brot und Wein in sein Fleisch und Blut zu verwandeln.

70. Auf wen ist die Wandlungsgewalt von den Aposteln übergegangen?

Die Wandlungsgewalt ist von den Aposteln auf ihre Nachfolger im Priesteramte, die Bischöfe und Priester, übergegangen.

 71. Was ist die göttliche Liturgie?

Die göttliche Liturgie ist das immerwährende Opfer des Neuen Bundes, in dem sich Jesus Christus unter den Gestalten von Brot und Wein seinem himmlischen Vater durch die Hände des Priesters unblutigerweise darbringt.

72. Was ist die heilige Kommunion?

Die heilige Kommunion ist der Empfang des Leibes und Blutes Jesu Christi.

73. Wer empfängt die heilige Kommunion unwürdig?

Die hl. Kommunion empfängt unwürdig, wer wissentlich im Stande der Sünde kommuniziert.

74. Was ist das Mysterium der Buße?

Die Buße ist jenes Mysterium, in dem der Priester an Gottes Statt die Sünden nachläßt, wenn der Sünder sie herzlich bereut, aufrichtig beichtet und den festen Vorsatz der Besserung hat.

75. Welches ist das äußere Zeichen des Bußsakramentes?

Das äußere Zeichen des Bußsakramentes ist das reumütige Bekenntnis des Sünders und die Lossprechung des Priesters: „Unser Herr und Gott Jesus Christus durch die Gnade und Barmherzigkeit seiner Menschenliebe vergebe dir, mein Kind N., alle deine Versündigungen; und ich, der unwürdige Priester, durch seine mir verliehene Macht vergebe dir und spreche dich los von allen deinen Sünden, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

76. Auf wen ist die Gewalt, Sünden nachzulassen, von den Aposteln übergegangen?

Die Gewalt, Sünden nachzulassen, ist von den Aposteln auf ihre Nachfolger im Priesteramte übergegangen, auf die Bischöfe und Priester der rechtgläubigen Kirche.

77. Was müssen wir tun, um das Bußsakrament würdig zu empfangen?

Um das Bußsakrament würdig zu empfangen, müssen wir

  1. unser Gewissen erforschen;

  2. Reue erwecken;

  3. einen festen Vorsatz machen;

  4. Die Sünden beichten;

  5. Genugtuung leisten.

78. Was ist die Krankensalbung?

Die Krankensalbung ist jenes Mysterium, durch das dem Kranken durch die siebenmalige Salbung an Stirne, Nase, Wangen, Mund, Brust und Händen mit heiligem Öle und unter Gebeten von sieben Priestern die Gnade Gottes zur Wohlfahrt der Seele und des Leibes erteilt wird.

79. Woher wissen wir, daß Christus die Krankensalbung eingesetzt hat?

Daß Christus die Krankensalbung eingesetzt hat wissen wir

  1. aus den Worten des hl. Apostels Jakobus (5,14,15): „Ist jemand krank unter euch, so rufe er die Priester der Kirche zu sich. Diese sollen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn; das Gebet des Glau­bens wird dem Kranken zum Heile sein, der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden auf sich hat, so wer­den sie ihm vergeben werden“;

  2. aus der beständigen Lehre der Kirche.

80. Was ist die Priesterweihe?

Die Priesterweihe ist jenes Mysterium, in dem das Priesteramt übertragen und die Gnade erteilt wird, es recht zu verwalten.

81. Worin besteht die priesterliche Gewalt?

Die priesterliche Gewalt besteht hauptsächlich in der Vollmacht, die göttliche Liturgie zu feiern, Sakramente zu spenden, zu weihen und zu segnen.

Die Priesterweihe (Chirotonie) hat drei Stufen, die auf göttliche Einsetzung zurückgehen:

  1. die Diakonatsweihe;

  2. die Priesterweihe;

  3. die Bischofsweihe.

Außerdem gibt es noch die niederen Weihen (Chirotesie), die von der Kirche eingesetzt sind und stufenweise zur Priesterweihe vorbereiten.

  1. die Lektoratschirotesie;

  2. die Hypodiakonatschirotesie.

82. Welches ist das äußere Zeichen der Priesterweihe?

Das äußere Zeichen der Priesterweihe ist die Handauflegung des Bischofs mit dem Weihegebet.

83. Wer kann die Priesterweihe gültig erteilen?

Die Priesterweihe können nur die Bischöfe gültig erteilen; auf sie allein ist diese Gewalt von den Aposteln durch die Bischofsweihe übergegangen.

84. Was ist die christliche Ehe?

Die christliche Ehe ist jenes Mysterium, durch das sich christliche Brautleute zur innigsten Lebensgemeinschaft auf immer verbinden und die Gnade erhalten, die Pflich­ten ihres Standes bis in den Tod getreu zu erfüllen.

85. Woher wissen wir, daß Christus die Ehe zur Würde eines Sakramentes erhoben hat?

Daß Christus die Ehe zur Würde eines Sakramentes erhoben hat, wissen wir

  1. aus der Lehre des hl. Paulus, der die christliche Ehe ein Abbild der gnadenvollen Verbindung Christi mit seiner Kirche nennt;

  2. aus dem beständigen Glauben der Kirche.

86. Wie wird die christliche Ehe geschlossen?

Die christliche Ehe wird geschlossen, indem die Brautleute vor dem Pfarrer des Trauungsortes und zwei Zeugen erklären, daß sie einander zur Ehe nehmen, worauf der Priester nach dem vorgeschriebenen Ritus die Trauung vornimmt.

87. Wozu dienen die Weihungen der Kirche?

Die Weihungen der Kirche dienen dazu, Personen oder Sachen bleibend für den Dienst Gottes oder den frommen Gebrauch der Gläubigen zu heiligen.

88. Welches Zeichen gebraucht die Kirche, wenn sie segnet und weiht?

Die Kirche gebraucht das hl. Kreuzzeichen, wenn sie segnet und weiht.

89. Was heißt beten?

Beten heißt, sein Herz zu Gott erheben, um ihn zu loben, ihm zu danken oder ihn zu bitten; daher der Name Lob-, Dank- und Bittgebet.

90. Was wirkt das Gebet hauptsächlich?

Das Gebet

  1. vereinigt mit Gott und macht himmlisch gesinnt;

  2. stärkt gegen das Böse und kräftigt zum Guten;

  3. tröstet in Trübsal und hilft in Not;

  4. erlangt uns die Gnade der Beharrlichkeit bis zum Tode.

91. Wann sollen wir beten?

Wir sollen oft beten, besonders

  1. morgens und abends, vor und nach dem Essen;

  2. in Versuchungen, Nöten und Gefahren.

92. Genügt der Glaube allein zur Seligkeit?

Der Glaube allein genügt nicht zur Seligkeit; wir müssen auch nach dem Glauben leben, d. h. die Gebote halten.

93. Wie lautet das Hauptgebot?

Das Hauptgebot lautet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte und aus allen deinen Kräften.

Dies ist das erste und größte Gebot. Ein zweites aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mark. 12, 30f; Matth. 22, 37ff.)

94. Mit welchen Worten gebietet Christus die Feindesliebe?

„Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, betet für die, welche euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder eures Vaters seid, der im Himmel ist, der seine Sonne aufgehen läßt über Gerechte und Ungerechte.“ (Matth. 5, 44. 45.)

95. Wo ist das Hauptgebot der Liebe Gottes und des Nächsten ausführlicher enthalten?

Das Hauptgebot der Liebe Gottes und des Nächsten ist ausführlicher enthalten in den zehn Geboten, die Gott am Sinai gegeben hat.

Die zehn Gebote, auch Dekalog genannt, lauten:

  1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.

  2. Du sollst Dir kein Schnitzbild von Götzen machen.

  3. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren!

  4. Gedenke, daß du den Sabbat heiligest!

  5. Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohlergehe und du lange lebest auf Erden!

  6. Du sollst nicht töten!

  7. Du sollst nicht ehebrechen!

  8. Du sollst nicht stehlen!

  9. Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten!

  10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib! Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut!

96. Was lehrt die orthodoxe Kirche von der Verehrung und Anrufung der Heiligen?

Die orthodoxe Kirche lehrt, daß es gut und heilsam ist, die Heiligen, vor allem die allerheiligste Jungfrau und Gottesmutter Maria, zu verehren und anzurufen.

97. Billigt die orthodoxe Kirche die Verehrung von gemalten Bildern?

Die orthodoxe Kirche billigt die Verehrung von gemalten Abbildern heiliger Personen (Ikonen), da die Verehrung nicht dem toten Stoff, sondern der abgebil­deten heiligen Person gilt.

98. Von wem hat die geistliche Obrigkeit ihre Gewalt?

Die geistliche Obrigkeit hat ihre Gewalt von Gott.

99. Was schuldet der Christ seiner Kirche?

Der Christ schuldet seiner Kirche religiöse Ehrfurcht und treuen Gehorsam.

100. Wann erfüllen wir unsere Pflichten gegen den Staat?

Wir müssen

  1. der staatlichen Obrigkeit mit Achtung begegnen und ihren Gesetzen gehorchen;

  2. alle Pflichten und Lasten auf uns nehmen, die der Ordnung und dem Wohle des Staates dienen.

101. Welche Gebote müssen wir Christen außer den Geboten Gottes halten?

Außer den Geboten Gottes müssen wir Christen auch die Gebote der Kirche halten. Die Kirchengebote lauten:

  1. Du sollst die gebotenen Feiertage halten.

  2. Du sollst an Sonn- und Feiertagen an der göttlichen Litrurgie teilnehmen.

  3. Du sollst die gebotenen Fasttage halten.

  4. Du sollst wenigstens einmal im Jahre deine Sünden beichten.

  5. Du sollst wenigstens einmal im Jahre die heilige Kommunion empfangen und zwar in der österlichen Zeit.

102. Warum müssen wir die Gebote der Kirche halten?

Wir müssen die Gebote der Kirche halten, weil Christus ausdrücklich gesagt hat: „Wer die Kirche nicht hört, der sei dir wie ein Heide und öffentlicher Sünder.“ (Matth. 18,17.)

103. Wodurch kommt uns zum Bewußtsein, ob eine Handlung durch das göttliche Gesetz geboten oder verboten ist?

Ob eine Handlung durch das göttliche Gesetz geboten oder verboten ist, kommt uns zum Bewußtsein durch das Gewissen.

104. Ist man verpflichtet, der Stimme des Gewissens zu folgen?

Das Gewissen ist die nächste Richtschnur für unser sittliches Handeln; deshalb darf man niemals gegen das sichere Urteil des Gewissens handeln. „Bei allen deinen Werken folge treulich deinem Gewissen; denn das heißt in Gottes Geboten wandeln.“ (Sir. 32, 27.)

105. Was ist die Sünde?

Die Sünde ist die freiwillige Übertretung des göttlichen Gesetzes.

106. Auf wievielerlei Weise kann man sündigen?

Man kann sündigen

  1. durch Gedanken, Begierden, Worte und Werke (Begehungssünden);

  2. durch Unterlassung des Guten (Unterlassungssünden).

107. Wann begeht man eine Sünde?

Man begeht eine Sünde, wenn man ein Gebot Gottes freiwillig und mit klarer Erkenntnis übertritt.

108. Welches ist der Weg zur Vollkommenheit?

Der Weg zur Vollkommenheit ist die Nachfolge Christi, d. h. ein Leben nach Christi Wort und Vorbild.

109. Welches ist die erhabenste Darstellung der christlichen Vollkommenheit?

Die erhabenste Darstellung der christlichen Vollkommenheit gibt Christus in den acht Seligkeiten der Bergpredigt, wo er seinen Geist dem Geist der Welt gegenüberstellt.

Die acht Seligkeiten (Matth. 5, 3ff.) heißen:

  1. Selig die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich;

  2. selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land besitzen;

  3. selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

  4. selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden;

  5. selig die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen;

  6. selig, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen;

  7. selig die Friedfertigen; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden;

  8. selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer ist das Himmelreich.

Quelle: http://www.orthodoxia.de/Glaubenslehre.htm

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