Patriarch Bartholomäus. Foto: sainteliaschurch.blogspot.de/2010/08/positive-sign-in-relations-between.html

→ Πατριαρχικὴ Ἀπόδειξις ἐπὶ τῷ Ἁγίῳ Πάσχα 2012

→ ПАСХАЛЬНОЕ ПОСЛАНИЕ ВАРФОЛОМЕЯ, Патриарха Вселенского 2012

† Bartholomaios,

durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch allem Volk der Kirche Gnade, Friede und Erbarmen
von Christus, dem in Herrlichkeit auferstandenen Erlöser

Im Herrn geliebte Kinder,

wenn die Auferstehung Christi nur ihn selbst betroffen hätte, so wäre ihre Bedeutung für uns minimal. Aber Christus ist nicht allein auferstanden. Er hat mit sich auch alle Menschen auferweckt. Dazu verkündet unser Vorgänger, der hl. Johannes Chrysostomus: „Christus ist auferstanden und kein Toter ist mehr im Grab. Denn durch seine Auferstehung von den Toten wurde Christus der Erstling der Entschlafenen.“ Er ist also der Erstling aller, die schon entschlafen sind, und aller, die je entschlafen werden; der Erstling ihres Übergangs vom Tod zum Leben. Diese Botschaft schenkt allen Freude, denn die Auferstehung Christi hat die Macht des Todes vernichtet. Die, die an ihn glauben, erwarten die Auferstehung der Toten und lassen sich darum auf seinen Tod taufen, werden mit ihm auferweckt und leben das ewige Leben.

Wer aber Christus fernsteht, versucht, materielle Güter zu raffen, denn darauf gründet er die Hoffnung seines Lebens. Er hofft in seiner Naivität, er könne dem Tod durch den Reichtum entkommen. Und befangen in diesem Irrtum, häuft er, um sein Leben zu verlängern, Reichtümer an – auf Kosten des Lebens anderer und verbreitet so den Tod. Er entzieht ihnen die wirtschaftliche Grundlage, ihr Leben zu bestreiten, ja oft beraubt er sie sogar gewaltsam ihres Lebens, in der Hoffnung, so sein eigenes zu retten.

Doch täuscht er sich sehr! Das Leben gewinnt man nur durch den Glauben an Christus und das Einswerden mit seinem Leib.

Die Erfahrung der orthodoxen Kirche besagt, dass diejenigen, die mit Christus vereint sind, auch nach dem Tod leben, mit den Lebenden Gemeinschaft haben, mit ihnen Zwiesprache halten, auf sie hören und oftmals auf wunderbare Weise ihre Bitten erfüllen.

Man braucht nicht mehr nach einem mythischen „Wasser der Unsterblichkeit“ zu suchen. Die Unsterblichkeit gibt es in Christus, und sie wird durch ihn allen geschenkt.

Es müssen keine Völker ausgerottet werden, damit andere Völker überleben können, noch müssen schutzlose Menschen getötet werden, damit andere ein erträglicheres Leben haben. Allen gewährt Christus das irdische und das himmlische Leben. Er ist auferstanden, und alle, die es wollen, folgen ihm auf dem Weg der Auferstehung. Im Gegensatz dazu verurteilen sich alle diejenigen zu ewigem Tod, die direkt oder indirekt den Tod verbreiten, weil sie glauben, dass sie so ihr eigenes Leben verlängern oder erleichtern.

Unser auferstandener Herr Jesus Christus ist in die Welt gekommen, damit alle Menschen das Leben haben und es in Fülle haben. Es ist ein großer Irrtum, zu glauben, das Wohlergehen der Menschheit könne man durch gegenseitige Vernichtung erreichen. Christus weckt die Toten auf und macht ihre Tötung ungeschehen, da er die Macht hat, den Tod zu überwinden. Die Tatsache, dass er den Tod besiegt hat, bestätigt seine Feindschaft diesem gegenüber. Christus führt uns zum Leben. Er gibt es uns zurück, nachdem es womöglich unterbrochen wurde, denn er ist „unser Leben und unsere Auferstehung“. Darum fürchten wir Gläubige den Tod nicht. Unsere Kraft gründet sich nicht auf die Unverletzlichkeit unserer Existenz, sondern darauf, dass sie teilhat an der Auferstehung des Herrn.

Christus ist auferstanden! Also werden auch wir auferstehen!

Lasst uns also, Brüder und im Herrn geliebte Kinder, dem auferstandenen Christus folgen in allem, was er tut. Lasst uns denen helfen, die nicht einmal das Lebensnotwendige haben, damit sie am Leben bleiben. Lasst uns Christi Auferstehung denen verkünden, die sie nicht kennen, denn durch die Auferstehung wurde der Tod vernichtet, und infolgedessen können auch sie durch den Glauben an ihn an seiner Auferstehung teilhaben und seinen Spuren folgen. Unsere eigene Auferstehung ist nur dann möglich, wenn wir sie in den Dienst der Auferstehung unserer Brüder stellen. Nur dann wird der Siegesruf „Christus ist auferstanden!“ der ganzen Menschheit zum Heil gereichen. Amen!

Ostern 2012
† Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Christus, dem Auferstandenen

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Quelle:
consensuspatrum.wordpress.com
http://www.orthodoxie.net