Katechese


Patriarch  Bartholomäus → Πατριαρχικὴ Ἀπόδειξις ἐπὶ τῷ Ἁγίῳ Πάσχα 2013

 → Пасхальное поздравление святейшего Вселенского – Константинопольского патриарха Варфоломея 2013

† Bartholomaios,

durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch allem Volk der Kirche Gnade, Friede und Erbarmen
von Christus, dem in Herrlichkeit auferstandenen Erlöser

Geliebte Mitbrüder und liebe gottliebende Kinder der Kirche,

Christus ist auferstanden!

Die Botschaft der Auferstehung, welche die salbentragenden Frauen, die Myrophoren, den Jüngern Christi verkündeten, wurde von diesen als reine Phantasie aufgefasst. Und doch erwies sich die für ein Märchen gehaltene Nachricht als Wahrheit. Mehrfach erschien der auferstandene Christus seinen Jüngern.

Auch in unserer Zeit halten die Rationalisten die Botschaft von der Auferstehung für ein Märchen. Im Gegensatz dazu beschränken wir Gläubigen uns nicht darauf, nur zu glauben, sondern wir erfahren die Auferstehung als ein unumstößliches Ereignis in unserem Leben.

Wenn es nötig ist, besiegeln wir unser Zeugnis durch die Preisgabe unseres Lebens. Denn im auferstandenen Christus überwinden wir den Tod und werden von der Furcht vor ihm befreit. Unser Mund füllt sich mit Freude, wenn wir sagen: Christus ist auferstanden! Unsere Heiligen, die für die Welt tot sind, leben unter uns und antworten auf unsere Bitten. Die Welt nach dem Tod ist realer als die Welt vor dem Tod. Christus ist auferstanden und lebt mitten unter uns. Er hat uns versprochen, bis zum Ende der Welt bei uns zu bleiben. Und tatsächlich: Er ist bei uns – als Freund, als Bruder, als Arzt und als Spender jeglichen Gutes.

Gepriesen sei unser Gott, der von den Toten auferstanden ist und allen das ewige Leben schenkt. Wo ist, Tod, Dein Sieg? Christus ist auferstanden und hat „den einst maßlos Prahlenden als lächerlich dem Spott preisgegeben“ (s. 9. Ode des Kreuz-Auferstehungskanons im vierten Ton, Dichtung des hl. Johannes von Damaskus). Alles ist von Licht erfüllt und unsere Herzen von grenzenloser Freude.

Und nicht nur von Freude, sondern auch von Kraft. Wer an die Auferstehung glaubt, fürchtet den Tod nicht. Und die Seele dessen, der den Tod nicht fürchtet, ist unerschrocken und unzerbrechlich; denn was für die vielen und die Ungläubigen die schrecklichste Herausforderung bedeutet, ist für den gläubigen Christen ein Geschehen von geringer Bedeutung, denn es ist ja der Eingang zum Leben. Der gläubige Christ erlebt die Auferstehung auch schon vor seinem physischen Tod.

Die Folge des Erlebens der Auferstehung ist die Verwandlung der Welt. Die Auferstehung begeistert die Seele. Und die begeisterte Seele zieht die anderen Seelen mit sich, denselben Weg zu gehen, jene Seelen, die von den wahren Erfahrungen der Freude über die Unsterblichkeit berührt werden. Die Auferstehung ist Grundstein unseres Glaubens. Sie ist die Kraft, die die Welt besiegt hat, trotz der gegen sie gerichteten harten Verfolgungen. „Das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat, unser Glaube“ (1 Jo 5,4) an die Auferstehung. Durch die Auferstehung wird der Mensch Gott der Gnade nach. Durch den Sieg des Lichtes der Auferstehung über die unreinen Leidenschaften wird unseren Seelen die göttliche Liebesglut verliehen, eine fremdartige Liebe, die das menschliche Maß übersteigt.

Christus ist also auferstanden! Unsere Herzen werden von dem Licht und der Freude der Auferstehung überströmt. Lasst uns mit Aufrichtigkeit und Einfalt vor den auferstandenen Christus treten. Denn Gott, der – wie der Prophetenfürst David sagt – vom Himmel her unsere Herzen erkennt, „wird ein zerschlagenes und demütiges Herz nicht verachten“ (Psalm 50/51, 19).

Die Auferstehung ist unsere Kraft, unsere Hoffnung, unsere Freude, unser Frohlocken. Durch die Auferstehung überwinden wir den Schmerz und die Trauer über alle Übel des natürlichen irdischen Lebens. Die Auferstehung ist die Antwort Gottes auf die Verzweiflung des von den Schrecknissen der Welt verwundeten Menschen.

Angesichts der Schwierigkeiten und Leiden, welche die Welt heute quälen, lassen wir den Mut nicht sinken. Das Zusammenkommen der verängstigten Jünger des Herrn im Obergemach zu Jerusalem schenkt uns Kraft. Wir haben keine Angst, denn wir lieben alle Menschen eben so, wie uns der geliebt hat, der sein Leben für uns dahingegeben hat. Unser als Gott und als Mensch auferstandener Herr ist unsichtbar unter uns. Es genügt, dass wir Liebe haben; und wir haben sie. Und mit der Liebe erkennen wir die Kraft des Mysteriums. Was für ein Mysterium!

Selbst wenn andere nach Menschenart zögern und „mit den Garben ihrer Taten die Kornhügel aufhäufen“ (vgl. das erste Sticheron der Vesper am Sonntag des Verlorenen Sohns) – wir rühmen uns. Und selbst wenn wir „die Spreu der Taten der Ungerechtigkeit und unsere Leidenschaften“ nicht „im Windhauch der Menschenliebe vom Korn trennen“ und „die Garben unserer Taten nicht ausbreiten auf der Tenne der Reue“, so ist doch der auferstandene Christus die Liebe und vertreibt das Dunkel jeglicher Art und die Angst, die um uns herum herrscht, und kommt zu uns und in die Welt, auch wenn die Türen unserer Herzen oftmals verschlossen sind. Und er bleibt unverbrüchlich bei uns wegen des Kreuzes der Liebe. Er ruft uns auf zum Frieden. Er schenkt uns seinen Frieden. Die Mächtigen dieser Welt verkünden und versprechen einen Frieden, der niemals erfahrbare Wirklichkeit geworden ist. Die Kraft der Liebe, des Friedens und der Weisheit Gottes übersteigt aber jegliche menschliche Angst. Sie ist nicht innerhalb der vorhandenen Realität oder in einzelnen Meinungsäußerungen zu finden. Sie ist das Herz und die Mitte der Ereignisse. Sie ist das Herz der Menschheit. Sie ist der Mittelpunkt des Lebens. Sie herrscht über Lebende und Tote. Sie ist die Wahrheit.

Die unbestreitbare Überlegenheit dieser Kraft hält unsichtbar die Zügel und lenkt alles zu einer Zeit, in welcher der Geist vieler – im weltlichen Sinn – „Mächtiger“ verfinstert ist.

In dieser Zeit eines allgemeinen weltumspannenden Auseinanderbrechens ist die Hoffnung aller Enden der Erde, die Weisheit Gottes, das Vorhandensein des Zusammenfügens und der Harmonie. Im Moment des Zerfalls und des bevorstehenden Todes existieren die Auferstehung und das Wachsen des Vertrauens auf den Herrn.

Der Friede Dessen, der durch seine Entäußerung den Tod im Tod zertreten hat und die Freude über die Liebe strömen hervor und heilen den stets bedrängten und gequälten Menschen unserer Zeit und die mit ihm mitgequälte und mitbedrängte Schöpfung, die „die Erlösung und die Annahme an Sohnes Statt erwarten“ … „zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (vgl. Röm 8,20-23).

Väter, Brüder und Kinder, der Herr ist wahrhaftig auferstanden!

Ostern 2013

+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel

Euer aller inständiger Fürbitter bei Christus, dem Auferstandenen

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Quelle: metropolisvonaustria.at

Patriarch Bartholomäus. Foto: sainteliaschurch.blogspot.de/2010/08/positive-sign-in-relations-between.html

→ Πατριαρχικὴ Ἀπόδειξις ἐπὶ τῷ Ἁγίῳ Πάσχα 2012

→ ПАСХАЛЬНОЕ ПОСЛАНИЕ ВАРФОЛОМЕЯ, Патриарха Вселенского 2012

† Bartholomaios,

durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch allem Volk der Kirche Gnade, Friede und Erbarmen
von Christus, dem in Herrlichkeit auferstandenen Erlöser

Im Herrn geliebte Kinder,

wenn die Auferstehung Christi nur ihn selbst betroffen hätte, so wäre ihre Bedeutung für uns minimal. Aber Christus ist nicht allein auferstanden. Er hat mit sich auch alle Menschen auferweckt. Dazu verkündet unser Vorgänger, der hl. Johannes Chrysostomus: „Christus ist auferstanden und kein Toter ist mehr im Grab. Denn durch seine Auferstehung von den Toten wurde Christus der Erstling der Entschlafenen.“ Er ist also der Erstling aller, die schon entschlafen sind, und aller, die je entschlafen werden; der Erstling ihres Übergangs vom Tod zum Leben. Diese Botschaft schenkt allen Freude, denn die Auferstehung Christi hat die Macht des Todes vernichtet. Die, die an ihn glauben, erwarten die Auferstehung der Toten und lassen sich darum auf seinen Tod taufen, werden mit ihm auferweckt und leben das ewige Leben.

Wer aber Christus fernsteht, versucht, materielle Güter zu raffen, denn darauf gründet er die Hoffnung seines Lebens. Er hofft in seiner Naivität, er könne dem Tod durch den Reichtum entkommen. Und befangen in diesem Irrtum, häuft er, um sein Leben zu verlängern, Reichtümer an – auf Kosten des Lebens anderer und verbreitet so den Tod. Er entzieht ihnen die wirtschaftliche Grundlage, ihr Leben zu bestreiten, ja oft beraubt er sie sogar gewaltsam ihres Lebens, in der Hoffnung, so sein eigenes zu retten.

Doch täuscht er sich sehr! Das Leben gewinnt man nur durch den Glauben an Christus und das Einswerden mit seinem Leib.

Die Erfahrung der orthodoxen Kirche besagt, dass diejenigen, die mit Christus vereint sind, auch nach dem Tod leben, mit den Lebenden Gemeinschaft haben, mit ihnen Zwiesprache halten, auf sie hören und oftmals auf wunderbare Weise ihre Bitten erfüllen.

Man braucht nicht mehr nach einem mythischen „Wasser der Unsterblichkeit“ zu suchen. Die Unsterblichkeit gibt es in Christus, und sie wird durch ihn allen geschenkt.

Es müssen keine Völker ausgerottet werden, damit andere Völker überleben können, noch müssen schutzlose Menschen getötet werden, damit andere ein erträglicheres Leben haben. Allen gewährt Christus das irdische und das himmlische Leben. Er ist auferstanden, und alle, die es wollen, folgen ihm auf dem Weg der Auferstehung. Im Gegensatz dazu verurteilen sich alle diejenigen zu ewigem Tod, die direkt oder indirekt den Tod verbreiten, weil sie glauben, dass sie so ihr eigenes Leben verlängern oder erleichtern.

Unser auferstandener Herr Jesus Christus ist in die Welt gekommen, damit alle Menschen das Leben haben und es in Fülle haben. Es ist ein großer Irrtum, zu glauben, das Wohlergehen der Menschheit könne man durch gegenseitige Vernichtung erreichen. Christus weckt die Toten auf und macht ihre Tötung ungeschehen, da er die Macht hat, den Tod zu überwinden. Die Tatsache, dass er den Tod besiegt hat, bestätigt seine Feindschaft diesem gegenüber. Christus führt uns zum Leben. Er gibt es uns zurück, nachdem es womöglich unterbrochen wurde, denn er ist „unser Leben und unsere Auferstehung“. Darum fürchten wir Gläubige den Tod nicht. Unsere Kraft gründet sich nicht auf die Unverletzlichkeit unserer Existenz, sondern darauf, dass sie teilhat an der Auferstehung des Herrn.

Christus ist auferstanden! Also werden auch wir auferstehen!

Lasst uns also, Brüder und im Herrn geliebte Kinder, dem auferstandenen Christus folgen in allem, was er tut. Lasst uns denen helfen, die nicht einmal das Lebensnotwendige haben, damit sie am Leben bleiben. Lasst uns Christi Auferstehung denen verkünden, die sie nicht kennen, denn durch die Auferstehung wurde der Tod vernichtet, und infolgedessen können auch sie durch den Glauben an ihn an seiner Auferstehung teilhaben und seinen Spuren folgen. Unsere eigene Auferstehung ist nur dann möglich, wenn wir sie in den Dienst der Auferstehung unserer Brüder stellen. Nur dann wird der Siegesruf „Christus ist auferstanden!“ der ganzen Menschheit zum Heil gereichen. Amen!

Ostern 2012
† Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Christus, dem Auferstandenen

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Quelle:
consensuspatrum.wordpress.com
http://www.orthodoxie.net

Auferstehung des Herrn. Bild: http://www.taday.ru/text/38502.html

Wenn jemand fromm ist und und Gott liebt, so erquicke er sich an dieser schönen und lichten Feier. Wenn jemand ein wohlgesinnter Knecht ist, so gehe er fröhlich ein in die Freude seines Herrn. Wenn jemand sich beim Fasten abgemüht hat, so empfange er jetzt seinen Lohn. Wenn jemand von der ersten Stunde an gearbeitet hat, so empfange er heute, was ihm zu Recht gebührt. Wenn jemand nach der dritten Stunde gekommen ist, so feiere er dankend. Wenn jemand nach der sechsten Stunde angelangt ist, so zweifle er nicht, denn er wird nichts einbüßen. Wenn jemand bis in die neunte Stunde säumte, so trete er ohne Bedenken herzu, ohne sich zu fürchten. Wenn jemand erst zur elften Stunde angelangt ist, der fürchte sich nicht ob der Saumseligkeit; denn da der Gebieter freigebig ist, so nimmt Er den Letzten an wie den Ersten: Er erquickt den, der um die elfte Stunde gekommen ist, ebenso wie den, der von der ersten Tagesstunde an gearbeitet hat. Gegen den später Kommenden ist Er gnädig und gegen den Ersten freundlich. Jenem gibt Er, und diesem schenkt Er… Also gehet alle ein in die Freude unseres Herrn! Die Ersten und die Letzten, … die Reichen und die Armen, … die Ausdauernden und die Nachlässigen, … die ihr gefastet habt und die ihr nicht gefastet habt, freuet euch heute.

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Christus lehrt im Tempel. Ikone von Phillip Schwartz

Orthodoxer Katechismus

1. Wozu sind wir auf Erden?

Wir sind auf Erden, um Gott zu lieben und ihm zu dienen.

2. Was müssen wir tun, um Gott zu lieben?

Um Gott zu lieben, müssen wir

  1. alles glauben, was Gott geoffenbart hat;

  2. alle Gebote halten, die Gott gegeben hat.

3. Was heißt an Gott glauben?

An Gott glauben heißt alles fest und unbezweifelt für wahr halten, was Gott, der ewige Überwesentliche, geoffenbart hat.

4. Wie hat sich Gott uns Menschen zu erkennen gegeben?

Gott hat sich uns Menschen auf zweifache Weise zu erkennen gegeben, auf natürliche und auf übernatürliche Weise.

5. Wodurch hat sich Gott auf natürliche Weise zu erkennen gegeben?

Gott hat sich auf natürliche Weise zu erkennen gegeben:

  1. durch die sichtbare Welt, die sich nicht selbst gemacht haben kann;

  2. durch die Zweckmäßigkeit und Ordnung in der Welt, die von einem höchst weisen Urheber herstammen muß;

  3. durch die Stimme des Gewissens, die uns zum Guten mahnt und vor einem unsichtbaren Rächer des Bösen warnt.

6. Wodurch hat sich Gott auf übernatürliche Weise zu erkennen gegeben?

Gott hat sich durch die Offenbarung auf übernatürliche Weise zu erkennen gegeben.

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Kreuzigung Christi. Fresko von Theophanes dem Kreter (16. Jh.)

Hl. Johannes Chrysostomus (um 345-407), Priester in Antiochien, dann Patriarch von Konstantinopel, Kirchenlehrer. Der Text ist der Taufkatechese Nr. 3, 16 ff. entnommen.

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Willst du erfahren, welche Kraft das Blut Christi besitzt? Dann lass uns zurückgehen bis zu dem Vorausbild. Auf das frühe Vorausbild wollen wir uns besinnen und die Niederschrift aus der Vergangenheit erzählen.

Mose sagt: „Tötet ein einjähriges Lamm und bestreicht mit seinem Blut die Tür.“(1) Was sagst du da, Mose? Kann denn das Blut eines Lammes den vernunftbegabten Menschen befreien? Gewiss, sagt er, weil es auf das Blut des Herrn verweist. Wenn der Feind nicht das Blut des Vorbildes am Pfosten, sondern auf den Lippen der Glaubenden das kostbare Blut der Wahrheit leuchten sieht, mit dem der Tempel Christi geweiht ist, dann weicht er viel weiter zurück.

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